Bemessung von Stahlbetonquerschnitten nach EN 1992-1-1 und EN 1992-2.
Arten von 2D-Bauteilen
Platte
Gemäß EN 1992-1-1, Abschnitt 5.3.1(4) ist eine Platte ein Bauteil, dessen kleinste Abmessung nicht kleiner ist als das 5-fache der Gesamtdicke der Platte. Die Platte wird nur durch Biegemomente und Querkräfte senkrecht zur Schwerpunktebene der Platte beansprucht. Der Nachweis der Konstruktionsregeln erfolgt gemäß EN 1992-1-1, Abschnitt 9.3.
Schale als Platte – Schalenplatte
Die Geometrie wird ähnlich wie bei der Platte definiert. Im Gegensatz zur Platte kann die Schalenplatte durch Biegung und Membranwirkung beansprucht werden. Die Konstruktionsregeln werden nach den Regeln für Platten geprüft (EN 1992-1-1, Abschnitt 9.3).
Wand
Gemäß EN 1992-1-1, Abschnitt 5.3.1(7) ist eine Wand ein Bauteil, für das die folgenden Grundsätze nicht erfüllt sind:
- die Querschnittshöhe überschreitet nicht das 4-fache der Querschnittsbreite
- die Höhe beträgt mindestens das 3-fache der Querschnittshöhe
Die Wand wird nur durch Membranwirkung beansprucht, und die Konstruktionsregeln werden gemäß EN 1992-1-1, Abschnitt 9.6 geprüft.
Schale als Wand – Schalenwand
Die Geometrie wird ähnlich wie bei der Wand definiert. Im Gegensatz zur Wand kann die Schalenwand durch Biegung und Membranwirkung beansprucht werden. Die Konstruktionsregeln werden nach den Konstruktionsregeln für Wände geprüft (EN 1992-1-1, Abschnitt 9.6).
Wandartiger Träger
Gemäß EN 1992-1-1, Abschnitt 5.3.1(3) ist ein wandartiger Träger ein Bauteil, dessen Stützweite kleiner ist als das 3-fache der Gesamthöhe des Querschnitts. Der wandartige Träger kann wie die Wand nur durch Membranwirkung beansprucht werden. Die Konstruktionsregeln werden gemäß EN 1992-1-1, Abschnitt 9.7 geprüft.
Bewehrung für 2D-Elemente
Für den Nachweis wird ein Schalenelement mit den Abmessungen 1 m x 1 m definiert. In dieses Schalenelement wird die Bewehrung eingegeben. Für den Nachweis des 2D-Bauteils wird die Bewehrung pro laufendem Meter berücksichtigt.
Zur Eingabe der Bewehrung am oberen und unteren Rand können vordefinierte Bewehrungsvorlagen verwendet werden. Außerdem kann eine allgemeine Bewehrung in die Platte eingegeben werden.
Eingabe der Bewehrung mit Bewehrungsvorlagen

IDEA RCS stellt zwei Vorlagen für die Eingabe der Bewehrung in ein 2D-Element bereit. Eine Vorlage dient der Eingabe der Bewehrung an der oberen Oberfläche, die andere der Eingabe der Bewehrung an der unteren Oberfläche.
Mit beiden Vorlagen kann eine orthogonale Bewehrung an den Oberflächen des 2D-Elements eingegeben werden. Beide Vorlagen ermöglichen das Drehen der Bewehrung um die lokale x-Achse des 2D-Elements.


Eingabe der allgemeinen Bewehrung
Jede Bewehrungslage wird im Schnitt und im Grundriss definiert.

Bewehrungsart
Die Art des Bewehrungsstabs muss definiert werden, damit der Nachweis der Konstruktionsregeln durchgeführt werden kann. Für 2D-Elemente des Typs
- Platte und Schalen-Platte – für Nachweise nach EN 1992-1-1, Abschnitt 9.3.1.1
- Hauptbewehrung
- Querbewehrung
- Wand, Schalen-Wand und wandartiger Träger – für Nachweise nach EN 1992-1-1, Abschnitt 9.6.2 und 9.6.3
- Horizontalbewehrung
- Vertikalbewehrung
| Anmerkung: |
| Die Querbewehrung von Platten und Schalen-Platten wird nur beim Nachweis der Konstruktionsregeln berücksichtigt. Bei anderen Nachweisen der 2D-Elemente wird sie nicht verwendet. |
Schnittgrößen für 2D-Querschnitte
Eingabe der Schnittgrößen
Die Eingabe der Schnittgrößen von 2D-Bauteilen hängt vom Typ des 2D-Elements ab:
- Schalenplatte – Membrankräfte (nx, ny und nxy), Biegemomente (mx, my und mxy) und Querkräfte (vx und vy) können eingegeben werden
- Schalenwand – Membrankräfte (nx, ny und nxy), Biegemomente (mx, my und mxy) und Querkräfte (vx und vy) können eingegeben werden
- Platte – nur Biegemomente (mx, my und mxy) und Querkräfte (vx und vy) können eingegeben werden
- Wand – nur Membrankräfte (nx, ny und nxy) können eingegeben werden
- Wandartiger Träger – nur Membrankräfte (nx, ny und nxy) können eingegeben werden
| Beschreibung | |
| mx(y) | Biegemoment in Richtung der x(y)-Achse. Ein positiver Wert verursacht Zug an der Unterseite eines 2D-Elements. |
| mxy(yx) | Torsionsmoment um die y(x)-Achse, das auf den zur Achse x(y) parallelen Rand wirkt. Ein positiver Wert verursacht eine Schubspannung infolge Torsion an der Unterseite eines 2D-Elements. Da in jedem Punkt des 2D-Elements der Satz von der Gleichheit zugeordneter Schubspannungen gilt, sind auch die Torsionsmomente mxy = myx in jedem Punkt des 2D-Elements gleich. Daher wird im Programm nur der Wert von mxy eingegeben. |
| nx(y) | Normalkraft in Richtung der x(y)-Achse. Ein positiver Wert wirkt in Richtung der x(y)-Achse und verursacht Zug im Querschnitt. |
| nxy(yx) | Normalkraft, die in der Mittelebene in Richtung der y(x)-Achse auf den zur x(y)-Achse parallelen Rand wirkt. Ein positiver Wert wirkt in Richtung der x(y)-Achse. Da in jedem Punkt des 2D-Elements der Satz von der Gleichheit zugeordneter Schubspannungen gilt, sind auch die Normalkräfte nxy = nyx in jedem Punkt des 2D-Elements gleich. Daher wird im Programm nur der Wert von nxy eingegeben. |
| vx(y) | Querkraft, die senkrecht zur Mittelebene auf den zur x(y)-Achse parallelen Rand wirkt. Ein positiver Wert wirkt in Richtung der z-Achse. |

Für die Nachweise müssen die folgenden Kombinationstypen definiert werden:
- Grenzzustand der Tragfähigkeit/Außergewöhnlich – die für diesen Kombinationstyp definierten Schnittgrößenkomponenten werden für die GZT-Nachweise von 2D-Elementen verwendet:
- Tragfähigkeit N-M-M
- Systemantwort N-M-M
- Interaktion
und für den Nachweis der Bewehrungsregeln
- Charakteristisch – die für diesen Kombinationstyp definierten Schnittgrößenkomponenten werden für den Nachweis der Spannungsbegrenzung (GZG) verwendet
- Quasi-ständig – die für diesen Kombinationstyp definierten Schnittgrößenkomponenten werden für den Nachweis der Rissbreite (GZG) verwendet

| Hinweis: |
| Die Schnittgrößenkomponenten vx und vy müssen für die Kombinationstypen Charakteristisch und Quasi-ständig nicht eingegeben werden, da diese Werte in den Nachweisen nicht verwendet werden. |
Bestimmung der Nachweisrichtung
Für den korrekten Nachweis des 2D-Elements muss die Nachweisrichtung bestimmt werden. Die Nachweisrichtung kann für jeden Kombinationstyp separat mit den folgenden zwei Methoden eingegeben werden:
- Benutzerdefinierte Richtung – der Benutzer definiert die Nachweisrichtung als Winkel bezogen auf die x-Achse in der Ebene des 2D-Elements. Diese Option ist für den Kombinationstyp GZT als Standard eingestellt, und der vordefinierte Winkelwert beträgt 0 Grad. Die Nachweise werden in den folgenden Richtungen geführt:
- Definierte Richtung
- Richtung senkrecht zur definierten Richtung
- Richtung der Druckdiagonale an der Oberseite
- Richtung der Druckdiagonale an der Unterseite
- Richtung der Hauptspannungen – die Nachweisrichtung wird automatisch als Richtung der Hauptspannungen an der Ober- und an der Unterseite des 2D-Elements berechnet. Diese Option ist für die Kombinationstypen Charakteristisch und Quasi-ständig als Standard eingestellt. Die Nachweise werden in den folgenden Richtungen geführt:
- Richtung der Hauptspannungen an der Unterseite
- Richtung senkrecht zur Richtung der Hauptspannungen an der Unterseite
- Richtung der Druckdiagonale an der Unterseite
- Richtung der Hauptspannungen an der Oberseite
- Richtung senkrecht zur Richtung der Hauptspannungen an der Oberseite
- Richtung der Druckdiagonale an der Oberseite


Analyse der Nachweisrichtung für den Grenzzustand der Tragfähigkeit
Analyse 1
Für ein 2D-Element, das nur durch Biegemomente belastet wird (mx = 20 kNm/m, my = 10 kNm/m, mxy = 5 kNm/m ), wurden der Bewehrungswinkel und der Winkel der Nachweisrichtung für den Grenzzustand der Tragfähigkeit variiert – die Ergebnisse sind im folgenden Diagramm dargestellt:

Die Analyse zeigt:
- Wenn die Bewehrungsstäbe senkrecht zueinander verlaufen, sind die Nachweisergebnisse für unterschiedliche Winkel der Nachweisrichtung ähnlich, sie hängen nicht vom definierten Bewehrungswinkel ab, und der Maximalwert des Nachweises tritt bei den Winkeln 0, 45 und 90 Grad auf. Daher kann dieser Nachweis für eine vordefinierte Nachweisrichtung mit einem Winkel von 0 Grad geführt werden.
- Wenn die Bewehrungsstäbe nicht senkrecht zueinander verlaufen, unterscheiden sich die Nachweisergebnisse deutlich, und der Maximalwert des Nachweises wird ungefähr in der Richtung erreicht, die der Richtung der mittleren Bewehrung entspricht. Daher wird empfohlen, die vordefinierte Nachweisrichtung zu ändern oder die Nachweise in mehreren Richtungen zu führen, wenn die Bewehrungsstäbe nicht senkrecht zueinander verlaufen.
Analyse 2
Für die orthogonale Bewehrung wurden die Werte der Biegemomente und der Winkel für den GZT-Normnachweis variiert. Die Ergebnisse sind im Diagramm dargestellt:

Die Analyse zeigt, dass auch bei unterschiedlichen Werten der Biegemomente der Maximalwert des Nachweises im Grenzzustand der Tragfähigkeit bei den Nachweisrichtungen 0, 45 und 90 Grad auftritt. Daher kann der Nachweis für einen vordefinierten Nachweiswinkel von 0 Grad geführt werden. Eine ähnliche Schlussfolgerung gilt für 2D-Elemente, die nur durch eine Normalkraft oder durch eine Normalkraft in Kombination mit Biegemomenten belastet werden.
Umrechnung der Schnittgrößen in die Nachweisrichtungen
Die definierten Schnittgrößen werden mit der Transformationsformel nach Baumann in die Nachweisrichtungen umgerechnet, beschrieben in Baumann, Th. : "Zur Frage der Netzbewehrung von Flächentragwerken". In : Der Bauingenieur 47 (1972), Berlin 1975. Das Berechnungsverfahren ist wie folgt:
- Berechnung der Normalkräfte an beiden Oberflächen des 2D-Elements
- Berechnung der Hauptkräfte an beiden Oberflächen des 2D-Elements
- Berechnung der umgerechneten Kräfte für jede Oberfläche in die definierte Nachweisrichtung
- Berechnung der umgerechneten Kräfte für jede Oberfläche auf die Mittelebene
- Umrechnung der Querkräfte in die definierte Nachweisrichtung
Berechnung der Normalkräfte an beiden Oberflächendes 2D-Elements
Die definierten Schnittgrößen werden mit den folgenden Formeln auf beide Oberflächen umgerechnet:
Für die Umrechnung der Schnittgrößen muss der innere Hebelarm (z) bestimmt werden. Der innere Hebelarm wird mit dem Verfahren der Grenzdehnungen bei Beanspruchung durch das Hauptbiegemoment in den Richtungen der Hauptmomente m1 an beiden Oberflächen bestimmt. Wenn die Hauptmomente gleich null sind oder wenn in der Richtung der Hauptmomente kein Gleichgewicht gefunden wird, wird der innere Hebelarm nach der folgenden Formel bestimmt:
| Beschreibung | |
| x | Der Beiwert zur Berechnung des inneren Hebelarms ist im National code setup definiert. |
| d | Die statische Nutzhöhe des Querschnitts, getrennt berechnet für die Ober- und die Unterseite des 2D-Elements. Für die Unterseite ist dies der Abstand vom Schwerpunkt der Bewehrungsstäbe an der Unterseite zum oberen Rand des Querschnitts. Für die Oberseite ist dies der Abstand vom Schwerpunkt der Bewehrungsstäbe an der Oberseite zum unteren Rand des Querschnitts. |

| Hinweis: |
| Der innere Hebelarm kann im Nachweis Response N-M-M überprüft werden. Dabei dürfen nur die Biegemomente eingegeben werden, und die Nachweisrichtung muss der Richtung des Hauptmoments entsprechen. |
Im folgenden Diagramm ist die Überprüfung des inneren Hebelarms für die Biegemomente mx = 20 kNm/m, my = 10 kNm/m, mxy = 5 kNm/m dargestellt. Die Richtung der Hauptmomente wurde mit αm1 = 22,5 Grad berechnet, und die Systemantwort des Querschnitts wurde zur Bestimmung des inneren Hebelarms berechnet.


| Hinweis: |
| Die inneren Hebelarme für die Umrechnung der Schnittgrößen in die Nachweisrichtung und die inneren Hebelarme für die Nachweise können unterschiedlich sein. Der innere Hebelarm für die Umrechnung wird an einem durch Hauptmomente in Richtung der Hauptmomente beanspruchten Querschnitt bestimmt, der innere Hebelarm für den Nachweis dagegen an einem durch Biegemomente und Normalkräfte in Nachweisrichtung beanspruchten Querschnitt. Die Werte der inneren Hebelarme für alle Kombinationstypen werden in der Tabelle Recalculated forces im Navigator Internal forces in section angezeigt. |

Berechnung der Schnittgrößen an beiden Oberflächen
Die Hauptkräfte an beiden Oberflächen des 2D-Elements werden mit der folgenden Formel berechnet:
Die Richtung der Hauptkräfte wird mit der folgenden Formel berechnet:
| Hinweis: |
| Die Hauptkräfte und die Richtung der Hauptkräfte für beide Oberflächen des 2D-Elements werden für alle Kombinationstypen in der Tabelle Recalculated forces im Navigator Internal forces in section angezeigt. |

Berechnung der umgerechneten Schnittgrößen an den Oberflächen in die definierte Nachweisrichtung
Die Umrechnung der Hauptkräfte in die Nachweisrichtungen erfolgt für jede Oberfläche getrennt mit der Transformationsformel nach Baumann:
| Beschreibung | |
| i, j, k, i | Index der Nachweisrichtung (Richtung der Umrechnung der Schnittgrößen) i, j, k, i = 1, 2, 3, 1. Z. B. lautet die Formel für die Unterseite und die Berechnung der Kraft in j-Richtung (Winkel α2): |
| Der Winkel zwischen der definierten Nachweisrichtung bzw. der Richtung der Druckstrebe und der Richtung der Hauptkräfte an der Unter- oder Oberseite des 2D-Elements.Definierte Nachweisrichtung α1, low(upp) = α1 – α low(upp)Richtung senkrecht zur definierten Richtung α2, low(upp) = α2 – α low(upp)Die Nachweisrichtung für die Druckstrebe α3, low(upp) = α3 – α low(upp) | |
| α1 | Definierte Nachweisrichtung für die jeweilige Kombination |
| α2 | Die Richtung senkrecht zur definierten Richtung, α2 = α1 + 90 Grad |
| α3 | Nachweisrichtung in Richtung der Druckstrebe in der Ebene des 2D-Elements. Diese Richtung wird so optimiert, dass die Kraft in dieser Richtung minimal wird. |
| Hinweis: |
| Wenn die Nachweisrichtung mit der Richtung der Hauptspannungen übereinstimmt, sind die Kräfte in der Druckstrebe null, daher wird diese Richtung im Nachweis vernachlässigtDie Richtung der Druckstrebe kann für alle Spannungszustände außer dem hyperbolischen Spannungszustand (n1,low(upp) > 0 und n1,low(upp) < 0) nach der folgenden Formel berechnet werden: α3 = 0,5(α1 + α2)Die umgerechneten Schnittgrößen für beide Oberflächen des 2D-Elements und alle Nachweisrichtungen einschließlich der Richtung der Druckstrebe werden in der Tabelle Recalculated forces angezeigt |

Transformation der umgerechneten Schnittgrößen in den Schwerpunkt des Querschnitts
Für den Nachweis des 2D-Elements müssen die Oberflächenkräfte in einer bestimmten Richtung in den Schwerpunkt des Querschnitts umgerechnet werden. Das Ergebnis sind die Normalkraft nd,i und das Biegemoment md,I, die im Schwerpunkt des Querschnitts des 2D-Elements wirken.
md,i = nlower,i·zs,low + nupper,i·zs,upp
nd,i = nlower,i + nupper,i
| Beschreibung | |
| nlower,i | Umgerechnete Oberflächenkräfte an der Unterseite in der i-ten Nachweisrichtung, wobei nlower,i = nsurface,low,i. |
| nupper,i | Umgerechnete Schnittgrößen an der Oberseite in der i-ten Nachweisrichtung, wobei nupper,i = nsurface,upp,i. |
| zs,low (upp) | Abstand des Schwerpunkts des Druckbetons oder des Schwerpunkts der Bewehrung an der Unter- (Ober-)seite, wobei z = zs,low + zs,upp |
| Hinweis: |
| Wenn die Richtungen der Druckstreben an der Unter- und an der Oberseite unterschiedlich sind, müssen für die Umrechnung der Kräfte in den Schwerpunkt virtuelle Kräfte an der Unterseite in Richtung der Druckstrebe an der Oberseite berechnet werden und umgekehrt. |

Umrechnung der Querkräfte in die definierte Nachweisrichtung
Die Querkräfte werden mit der folgenden Formel in die Nachweisrichtung umgerechnet:
und die maximale Querkraft beträgt:
und sie wirkt in der Richtung
| Beschreibung | |
| αi | Winkel der Nachweisrichtung in der i-ten Richtung |
| Hinweis: |
| Beim Nachweis eines 2D-Elements mit relativ großen Querkräften ist es sinnvoll, das 2D-Element in Richtung der maximalen Querkraft nachzuweisen, d. h. die definierte Nachweisrichtung entspricht dem Winkel β |
Vergleich der Umrechnung der Schnittgrößen mit verschiedenen Verfahren
Umrechnung der Schnittgrößen nach EN 1992-1-1
Das in EN 1992-1-1 beschriebene Verfahren wird in mehreren Programmen und in der Praxis zur Berechnung der Bemessungsschnittgrößen verwendet. EN 1992-1-1 berücksichtigt nur senkrecht zueinander verlaufende Bewehrungsrichtungen. Die Berechnung der Bemessungsschnittgrößen unter Berücksichtigung des Torsionsmoments ist im folgenden Ablaufdiagramm dargestellt, wobei my³ mx. Für Momente my < mx kann ein ähnliches Diagramm erstellt werden

| Beschreibung | |
| mxd+, mxd- | Bemessungsbiegemoment in Richtung der x-Achse für die Bemessung und den Nachweis der Bewehrung an der Unterseite (-) bzw. der Oberseite (+) |
| myd+myd- | Bemessungsbiegemoment in Richtung der y-Achse für die Bemessung und den Nachweis der Bewehrung an der Unterseite (-) bzw. der Oberseite (+) |
| mcd+, mcd- | Bemessungsbiegemoment in der Betondruckstrebe an der Unterseite (-) bzw. der Oberseite (+), das vom Beton aufgenommen werden muss |
Die Werte der umgerechneten Bemessungsschnittgrößen für den Bauteiltyp Platte, berechnet mit dem in der EN beschriebenen Verfahren, sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

In IDEA StatiCa RCS werden nicht die Momente an der Ober- und Unterseite angezeigt, sondern die Normalkräfte an beiden Oberflächen und die in den Schwerpunkt des Querschnitts umgerechneten Momente.

Die Momente an der Unter- und Oberseite können aus den in der numerischen Ausgabe angezeigten Oberflächenkräften mit der folgenden Formel berechnet werden:
Die Werte der Oberflächenkräfte und der umgerechneten Momente sind in den folgenden Tabellen dargestellt:


Die Tabellen zeigen, dass die in IDEA Concrete berechneten Momente an den Plattenoberflächen und die nach dem in der EN beschriebenen Verfahren berechneten Momente nur an einer Oberfläche übereinstimmen. Diese Abweichung wird durch eine unterschiedliche Optimierung der Betondruckstrebe verursacht. Das in IDEA StatiCa RCS verwendete Verfahren sucht den Winkel der Druckstrebe bei minimaler Kraft in der Strebe. Das in der EN beschriebene Verfahren sucht die minimale Summe der negativen Kräfte aus allen Richtungen.
Vergleich der Berechnung der Schnittgrößen mit den Programmen RFEM und SCIA Engineer
Zum Vergleich der Ergebnisse der umgerechneten Schnittgrößen in den Programmen IDEA Concrete, RFEM und SCIA Engineer (SEN) wurde ein einfaches Modell einer Platte mit den Abmessungen 6 m x 4 m und einer Dicke von 200 mm erstellt. Die Platte ist an den Rändern linienförmig gelagert und mit einer gleichmäßig verteilten Last von 10 kN/m2 belastet.
Zur Vereinfachung der Darstellung werden nur die Werte der umgerechneten Schnittgrößen in einem Längsschnitt angezeigt. Der Abstand des Schnitts vom Plattenrand beträgt 1,5 m. Die im Programm RFEM berechneten Schnittgrößen wurden als Eingangswerte für IDEA Concrete verwendet.

Die Tabelle zeigt eine gute Übereinstimmung der in den einzelnen Programmen berechneten Kräfte.
Nachweis
Wie im Kapitel Transformation der umgerechneten Schnittgrößen auf den Schwerpunkt des Querschnitts unter Schnittgrößen beschrieben, werden die Bemessungsschnittgrößen der Fläche auf den Schwerpunkt des Querschnitts eines 2D-Elements transformiert. Das Ergebnis dieser Transformation sind ein Biegemoment und eine Normalkraft, die im Schwerpunkt eines Rechteckquerschnitts wirken. Dessen Kantenlänge beträgt 1 m und seine Höhe entspricht der Dicke der Platte.
Die Nachweise des 2D-Elements werden in allen definierten Richtungen gleichzeitig geführt. Das Programm rechnet die Bewehrung mit folgender Formel automatisch in die Nachweisrichtung um:
| Beschreibung | |
| Asi,a | Fläche der iten Bewehrungslage, umgerechnet auf die Richtung a |
| As | Fläche der iten Bewehrungslage des 2D-Elements |
| αi | Winkel zwischen der iten Bewehrungslage und der Nachweisrichtung |
| Anmerkung: |
| Verteilerbewehrung in 2D-Elementen vom Typ Platte und Schalenplatte wird nur beim Nachweis der Konstruktionsregeln berücksichtigt. Bei den übrigen Nachweisen des 2D-Elements wird sie nicht verwendet. |
Nachweisergebnisse in den definierten Richtungen
Alle aktivierten Nachweise werden automatisch in allen erforderlichen Richtungen geführt. Die Darstellung der Ergebnisse ähnelt der Darstellung der Ergebnisse von 1D-Elementen. Bei 2D-Elementen kann die darzustellende Richtung eingestellt werden. Die Ergebnisse für 2D-Elemente werden in den Nachweisrichtungen dargestellt. Alle Richtungen, in denen die Nachweise berechnet wurden, sind in der grafischen Darstellung eingezeichnet.
Die Pfeile im Bild stellen die Nachweisrichtungen dar. Orange ist die Richtung des maximalen Nachweiswerts, rot die aktuelle Nachweisrichtung. Um die aktuelle Richtung zu ändern, klicken Sie auf den Pfeil oder auf die entsprechende Schaltfläche im Menüband.

| Anmerkung: |
| Nach Abschluss der Berechnung werden die Nachweisrichtungen in allen Nachweisen auf die Richtung der maximalen Querschnittsausnutzung gesetzt. |
Die Ergebnisse der einzelnen Nachweise werden in der aktuellen Richtung dargestellt. Der Winkel der Nachweisrichtung wird oberhalb der Tabelle mit der Zusammenfassung des Nachweises angezeigt.
Die Ergebnisse in der maßgebenden Richtung werden im Bericht ausgegeben.
Grenzzustand der Tragfähigkeit
Die Grundsätze der GZT-Nachweise sind im Handbuch zu den theoretischen Grundlagen für 1D-Elemente beschrieben. In den folgenden Kapiteln werden nur die Unterschiede bei 2D-Elementen beschrieben.
Tragfähigkeitsnachweis
Der Tragfähigkeitsnachweis unterscheidet sich nicht von den Nachweisen für 1D-Elemente. Die Belastung wirkt nur in einer Ebene, daher ist der Nachweistyp N + M.
Antwortnachweis
Die Antwortnachweise für die einzelnen Nachweisrichtungen verwenden dieselben Algorithmen wie die Nachweise von 1D-Elementen.
Interaktionsnachweis
Anders als bei 1D-Elementen wird der Interaktionsnachweis nur zur Ermittlung der Ausnutzung V + M geführt, also der Interaktion von Querkraft und Biegemoment. Die Werte VRd,c und VRd,max können in der Zusammenfassungstabelle des Interaktionsnachweises überprüft werden.
Vergleich des Tragfähigkeitsnachweises zwischen IDEA Concrete, RFEM und SCIA Engineer
Für den Vergleich der Ergebnisse des Tragfähigkeitsnachweises mit RFEM und SCIA Engineer wurden dieselben Daten verwendet, die unter Schnittgrößen im Kapitel Vergleich der Schnittgrößenberechnung mit den Programmen RFEM und SCIA Engineer beschrieben sind. Der Vergleich erfolgte in zwei Punkten der Platte.
Da die Programme RFEM und SEN nicht die tatsächlich vorhandene Bewehrung der Platte nachweisen, sondern nur die erforderliche Bewehrungsfläche bemessen, wurden für den Vergleich der Berechnung zwei Methoden verwendet. Die erste vergleicht die Ausnutzung des Querschnitts für die in RFEM und SEN bemessene erforderliche Bewehrung. Dabei wird angenommen, dass der Querschnitt genau dann zu 100 % ausgenutzt ist, wenn die berechnete erforderliche Bewehrungsfläche verwendet wird.
Die Ausnutzung des in IDEA Concrete bewehrten Querschnitts kann dann relativ ausgedrückt werden.
Relative Ausnutzung = As, req / As, RCS × 100 [%]
| Beschreibung | |
| As, req | In RFEM oder SEN berechnete erforderliche Bewehrungsfläche |
| As, RCS | Bewehrungsfläche in IDEA Concrete |
| 100 [%] | Prozentwert |
Der Querschnitt in IDEA Concrete wurde an der Unterseite mit Bewehrung d=10 mm im Abstand von 200 mm in beiden Richtungen bewehrt. Die Bewehrungsfläche beträgt in beiden Richtungen 314 mm2.

Die Tabelle zeigt eine gute Übereinstimmung der Ausnutzung bei allen Programmen.
Für die zweite Methode wurde in IDEA Concrete eine Bewehrung mit annähernd derselben Fläche definiert wie die in RFEM und SEN berechnete erforderliche Bewehrung. Anschließend wurde die Ausnutzung des Querschnitts verglichen. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

Auch hier stimmen die Ergebnisse gut überein.
Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
Spannungsbegrenzung
Der Nachweis der Spannungsbegrenzung unterscheidet sich nicht von den Nachweisen für 1D-Elemente.
Rissbreitennachweis
Zusätzlich zu den Nachweisen für 1D-Elemente wird die Richtung des Risses geprüft, die bei 2D-Elementen dargestellt werden kann.
Konstruktionsregeln
Der Nachweis der Konstruktionsregeln von 2D-Elementen lässt sich in zwei Hauptgruppen unterteilen:
- Nachweis des Bewehrungsgrads
- Nachweis der Stababstände
Der Nachweis der Konstruktionsregeln hängt auch vom Typ des 2D-Elements ab. Für Schalenplatten- und Plattenelemente werden getrennte Nachweise für die Hauptbewehrung und für die Verteilerbewehrung geführt. Bei Wandelementen wird zwischen vertikaler und horizontaler Bewehrung unterschieden.
Der Nachweis des Bewehrungsgrads wird in Richtung der Hauptspannungen geführt. Die im Schnitt des 2D-Elements definierte Bewehrung (außer der Verteilerbewehrung) wird in die Richtungen der Hauptspannungen transformiert.
Der Nachweis der Stababstände wird senkrecht zur Richtung der definierten Bewehrung geführt. Dieser Nachweis wird für alle definierten Bewehrungslagen geführt. Die Grenzwerte hängen vom Typ des nachgewiesenen Elements und vom Typ der definierten Bewehrung ab.

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